Ergebnisse im Detail

In den einzelnen Reiter können Sie sich ein detaillierteres Bild über die einzelnen Ergebnisse der Szenarien machen. Auf eine detaillierte Kommentierung bzw. Wertung der Ergebnisse wird verzichtet.

Kapazitäten

Kapazitäten

Grundlage für die Ergebnisse sind die in den Szenariorechnungen ermittelten Erzeugungskapazitäten.

In allen Szenarien geht die konventionelle Stromerzeugungskapazität in 2030 im Vergleich zu 2012 zurück.
Zum Teil ist das auf die zunehmende Kapazität von Erneuerbaren Energie Anlagen zurückzuführen.

Die Erzeugungskapazität von Erneuerbare-Energien-Anlagen ist im Ambitionierten Szenario C am höchsten. Jedoch werden dort keine Biomasse-Anlagen nach 2020 zugebaut. Im Konventionellen Szenario D findet kein Zubau von Erneuerbare- Energien-Anlagen nach 2020 statt.

Erzeugung

Die Stromerzeugung wird im Modellansatz auf Basis der niedrigsten Systemkosten ermittelt. Am niedrigsten ist die konventionelle Stromerzeugung im Ambitionierten Szenario C. Hier wird ein Großteil der konventionellen Stromerzeugung durch Erneuerbare Energien ersetzt.

Analog zu den Kapazitäten ist das Verhältnis der Stromeinspeisung aus Erneuerbaren-Energie-Anlagen. So sinkt die Erzeugung von Erneuerbare-Energien-Anlagen im Konventionellen Szenario D ohne Förderung nach 2020 auf ein niedrigeres Niveau als heute, da angenommen wird, dass EEG-Anlagen nach 20 Jahren Betriebsdauer aus dem Markt gehen.

Emissionen

Im Rahmen des Modellansatzes werden sowohl global wirkende Treibhausgasemissionen als auch lokal wirkende Emissionen, hier Stickoxide, untersucht. Die herangezogenen Emissionsfaktoren wurden aus Werten der GEMIS-Datenbank abgeleitet.

Stickoxide beeinflussen u.a. die Smog-Bildung, führen zu saurem Regen und können zu Atemwegsreizungen führen. Stickoxid-Emissionen können in allen Szenarien reduziert werden.

Dass Stickoxide auch im Konventionellen Szenario D reduziert werden können, während Kohlendioxidemissionen in 2030 sogar steigen, ist auf die geringere Stromproduktion aus Erdgas sowie Biomasse (mit geringeren Emissionen) zurückzuführen sowie auf die Verwendung verbesserter Rauchgas-Reinigungstechnologien.

Flächennutzung

Im Rahmen der Analyse werden drei Arten der Flächennutzung unterschieden:

  • Anlagenflächennutzung durch Kraftwerksinstallationen (basierend auf der GEMIS-Datenbank)
  • Flächennutzung durch Braunkohle-Tagebaue
  • Landwirtschaftliche Flächennutzung für den Biomasse-Anbau (basierend auf dem Biomasse-Potenzialatlas)
[km² (Anteil an Gesamtfläche BRD)]2012A_kl B_kl C_kl D_kl
Gesamt9722 (2,7%)11.603 (3,2%)11.283 (3,2%)4289 (1,2%)4510 (1,3%)
Anlagen350 (0,1%)541 (0,2%)551 (0,2%)957 (0,3%)290 (0,1%)
Braunkohle-Tagebau527 (0,1%)367 (0,1%)0 (0,0%)0 (0,0%)768 (0,2%)
Landwirtschaft8845 (2,5%)10.695 (3,0%)10.732 (3,0%)3.332 (0,9%)3.451 (1,0%)

Aus der einzelnen Betrachtung wird deutlich, dass die größte Flächennutzung auf die landwirtschaftliche Nutzung in Zusammenhang mit dem Biomasse-Anbau zurückzuführen ist. Der Einfluss eines Rückgangs aus Biomasse-Verstromung ist entsprechend am größten.

Anteil Steuerbare Leistung

Der Anteil der steuerbaren Leistung wird im Verhältnis zur Höchstlast in 2012 in Höhe von 86 GW angegeben.

Ein Wert unter 100% bedeutet, dass die Höchstlast nicht durch steuerbare Kraftwerkskapazitäten im Inland gedeckt werden kann, stattdessen ist man auf Erneuerbare Energien mit fluktuierender Einspeisung bzw. auf Stromimporte aus dem Ausland angewiesen.

Im Rahmen der Modellrechnungen ist die Kraftwerkskapazität in Deutschland auch unter Berücksichtigung zusätzlicher Reservekapazitäten immer ausreichend, um die Höchstlast zu decken. Insofern ist es eher eine politische Entscheidung, ob im Rahmen eines europäischen Energiebinnenmarktes darauf Wert gelegt wird, die eigene nationale Last zu jedem Zeitpunkt durch nationale steuerbare Kraftwerke decken zu können. Falls dies gewünscht ist, zeigen die Ergebnisse, dass zusätzliche Investitionen notwendig sind, die nicht über den bestehenden Marktmechanismus finanziert werden können.

Stromhandel

Zur Analyse wird jeweils der Nettostromimportsaldo ausgewiesen. Dieser stellt die Differenz aus Stromimporten nach Deutschland und Stromexporten aus Deutschland dar. Ein negativer Wert bedeutet also, dass Deutschland auf Jahresbasis mehr Strom exportiert als importiert. Dies ist bis auf die Braunkohle-Ausstiegs Welt B in 2030 stets der Fall.

Rohstoffimporte

In der Betrachtung des Rohstoffbedarfs zeigt sich zunächst, dass der Rohstoffbedarf im Konventionellen Szenario D in 2030 aus energetischer Perspektive am höchsten ist.

Bei der Betrachtung der Importkosten in 2030 ergibt sich allerdings ein anderes Bild, da zum einen im Konventionellen Szenario D auf die heimische Braunkohle zurückgegriffen wird und zum anderen vergleichsweise günstiger Kernbrennstoff importiert wird. In der Folge werden nicht im Konventionellen Szenario D, sondern im Braunkohle-Ausstiegs Szenario B die höchsten Importkosten in 2030 ermittelt.

Großhandelspreis & EEG-Umlage

Großhandelspreis

Basierend auf den Grenzkosten der Stromerzeugung wird der Großhandelspreis an den Strombörsen für das deutsche Marktgebiet bestimmt. Die Preise sind jeweils inflationsbereinigt (mit Basis des Referenzjahres 2012) dargestellt.

Aus den Szenarien lässt sich bis 2025 sehr gut der Merit-Order-Effekt der Erneuerbaren Energien im Ambitionierten Szenario C erkennen, d.h. die höhere Einspeisung von Erneuerbare-Energien-Anlagen führt zu einer deutlichen Reduktion des Großhandelspreises. Erst durch den zusätzlichen Braunkohle-Ausstieg in 2030 steigt der Großhandelspreis im Ambitionierten Szenario C über das Referenz Szenario A und das Konventionelle Szenario D.

EEG-Umlage

Bei der EEG-Umlage zeigt sich, dass in den meisten Szenarien durch das Förderende (nach 20 Jahren) von bestehenden Erneuerbaren-Energie-Anlagen nach 2020 eine Reduktion erreicht werden kann – Neuanlagen erhalten dann eine vergleichsweise geringe Vergütung. Dieser Effekt tritt im Ambitionierten Szenario C jedoch erst nach 2025 auf, da hier der Zubau von Erneuerbaren Energien größer ist.

Endkundenpreise

Haushalte

Der Haushaltsstrompreis setzt sich aus verschiedenen Kostenbestandteilen zusammen. In den Modellrechnungen wird einerseits der Großhandelspreis und andererseits die EEG-Umlage berechnet. Die sonstigen Kostenbestanteile stammen aus der Energiereferenzprognose, werden jedoch hinsichtlich des Netzausbaubedarfs in Abhängigkeit des Erneuerbaren-Energien-Anteils angepasst.

Für die Berechnung der monatlichen Stromkosten eines Haushalts wird ein durchschnittlicher Jahresverbrauch von 3.100 kWh angenommen.

Industrie

Für die Industriekunden werden die Kostenbestandteile analog wie für Haushaltskunden berechnet. Bei dem hier untersuchten Industriekunden handelt es sich um einen durchschnittlichen Großbetrieb, der allerdings die volle EEG-Umlage zu entrichten hat.

Auffallend bei Industriekunden ist, dass die Strompreise im Vergleich zu Haushaltskunden relativ  stark von höheren Großhandelspreisen und einer steigenden EEG-Umlage betroffen sind. Dies ist auf die niedrigeren sonstigen Kostenbestandteile zurückzuführen.

Beschäftigte

Im Rahmen der Analyse werden nur direkte Beschäftigungseffekte basierend auf der Methodik von Rutovitz und Harris (2012) untersucht. Dabei werden drei Beschäftigungsarten unterschieden:

  • Beschäftigte, die im Bereich Betrieb und Wartung von Anlagen tätig sind
  • Beschäftigte, die in der Rohstoffbereitstellung tätig sind (sowohl Tagebaue als auch Biomasse)
  • Beschäftigte, die bei der Installation von Anlagen tätig sind (ohne Berücksichtigung der Herstellung von Bauteilen, wie PV-Module)
[Tsd. Beschäftigte]2012A_kl B_kl C_kl D_kl
Gesamt212187188174109
Anlagenbetrieb7383808547
Rohstoffbereitstellung6361531734
Anlageninstallation7643557227

Die Berücksichtigung der unterschiedlichen Beschäftigungsarten führt auch dazu, dass die Beschäftigung im Braunkohle-Ausstieg Szenario B höher ist als im Referenz Szenario A. Zwar fallen im Braunkohle-Ausstieg Szenario B Arbeitsplätze in den Braunkohle-Tagebauen und -Kraftwerken weg, allerdings werden zusätzliche Beschäftigungseffekte durch höhere Anlageninstallationen sowie im Betrieb dieser generiert.
Am niedrigsten ist die Beschäftigung im Konventionellen Szenario D, was auf niedrigere Anlageninstallationen (da bspw. zusätzliche Kernkraftanlagen zur Verfügung stehen) sowie auf eine geringere Nutzung von dezentralen Erneuerbare-Energien-Anlagen zurückzuführen ist, die einen höheren Personalaufwand in Wartung und Betrieb aufweisen.

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